Vorstand und Präsidium
Wort der Präsidentin – Jahresbericht 2025
Das wird mein letzter Jahresbericht als Präsidentin von INFRI sein, und ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um auf eine längere Zeitspanne als nur auf ein Jahr zurückzublicken.
Vor mehr als 15 Jahren (seit 2010) habe ich, nach wenigen Jahren im Vorstand von INFRI, das Präsidium des Verbandes übernommen. Vieles war mir zu jener Zeit noch neu. Der Schwerpunkt der Tätigkeiten unserer Dachorganisation der spezialisierten Institutionen lag auf der Verwaltung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) und auf der Begleitung von Fragestellungen im Zusammenhang mit diesem GAV. Zudem arbeiteten die Direktorinnen und Direktoren der Institutionen bereits zusammen in den permanenten Kommissionen; Rückmeldungen oder Vorschläge aus diesen Gremien waren aber – nach meiner Erinnerung – eher selten. Weitreichender als das Thema des GAV war die Verbandstätigkeit also damals nicht. Wobei das selbstverständlich eine grosse Aufgabe war: die Anerkennung von identischen Arbeitsbedingungen in den fast 40 Mitgliedsinstitutionen von INFRI war und ist immer noch sehr wichtig. Und sie ist für die Zusammenarbeit und für die Vermeidung von Konkurrenzsituationen unter gleichartigen Organisationen relevant.
Trotzdem schien mir damals bald klar, dass INFRI als Dachorganisation sich weiter entwickeln und weitergehende Aufgaben wahrnehmen konnte und musste. Zusammen mit den damaligen Vorstandsmitgliedern begannen wir die Arbeit an Konzepten und beschritten den Weg in die Richtung eines effektiven Verbandes, der die Interessen der Mitgliedsinstitutionen auf einer breiteren Ebene wahrnimmt. Letzteres geschah zum Beispiel gegenüber dem Kanton (GSD), als es vor ungefähr 10 Jahren um die dringend notwendige Schaffung von zusätzlichen Wohn- und Atelierplätzen ging. Oder gegenüber dem Bund bei der Beschaffung von Aufträgen aus dem militärischen Bereich. Die Zusammenarbeit unter den Institutionen hat sich dadurch in den letzten Jahren weiter entwickelt und verstärkt.
Diese Weiterentwicklung war nicht zuletzt dank einer Reorganisation des Generalsekretariats möglich. So kann unser Verband heute die Institutionen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben effizienter unterstützen und bei den verschiedensten Fragestellungen kompetent Auskünfte erteilen. Zudem wurden zusätzliche Angebote entwickelt, beispielsweise die Vertrauensstelle oder, in Zusammenarbeit mit dem Dienst «Rotkäppchen», die Kinderbetreuung im Notfall für die Kinder von Angestellten der Institutionen. In der Zwischenzeit erteilte auch der Kanton INFRI verschiedene Mandate, sei dies bei der Cybersicherheit, der Archivierung oder bei der Arbeitssicherheit. Gestärkt haben wir zudem die Positionierung gegenüber dem Kanton, der mittlerweile INFRI als verlässlichen Partner wahrnimmt.
Unsere Institutionen werden zu einem grossen Teil vom Kanton finanziert - besten Dank dafür. Doch die Forderungen des Kantons und die Erwartungen an die Leistungen und die Anpassungsfähigkeit der Institutionen sind ebenfalls hoch. Die Rolle von INFRI als Sprachrohr eben dieser geforderten Institutionen ist wichtig und wird wahrscheinlich in den kommenden Jahren noch wichtiger werden.
Wie bereits im letzten Jahresbericht erwähnt, – und damit komme ich zur Gegenwart – sind insbesondere die Herausforderungen an die Sonderschulen sehr hoch. Die Schülerzahlen stiegen in den letzten Jahren markant und steigen auch dieses Jahr weiter – und damit auch der Bedarf nach zusätzlichen Ressourcen wie Personal und Räumlichkeiten. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, weisen doch insbesondere die Früherziehungsdienste schon seit längerem auf steigende Bedürfnisse hin. Eine vorausschauende, mittel- bis langfristige Planung von Seiten des Kantons fehlt aber leider. Wie damals bei den Atelierplätzen wiederholt sich ein ähnliches Szenario: es fehlt an den notwendigen Plätzen, dieses Mal in den Sonderschulen.
Was uns dabei Sorgen macht ist die Aussicht, dass sich der Zuwachs nicht verringern wird. Es wäre daher mehr als dringend, eine gesamtheitliche Sicht des heutigen Schulwesens – Regelschule und Sonderschule gemeinsam – einzunehmen. Dies würde es erlauben, unter Einschluss von vermehrten Anstrengungen zur Inklusion und mit erhöhten Ressourcen (in allen Schulen, nicht nur in den Sonderschulen) für alle – Kinder, Familien, Regel- und Sonderschulen, aber auch die verschiedenen unterstützenden Dienste wie Logopädie oder Ergotherapie – tragbare Lösungen zu finden.
Damit noch nicht genug der Herausforderungen: in einigen Jahren werden die erwähnten zahlreichen Kinder aus den Schulen austreten. Im Sinne eines vorausschauenden Handelns sollten schon heute Überlegungen für Anschlusslösungen (bessere Öffnung des Arbeitsmarkts – Inklusion! – oder zusätzliche Atelierplätze) geschaffen werden. Und nicht zuletzt werden die in unseren Institutionen betreuten Erwachsenen je länger je älter – auch hier entstehen weitere Herausforderungen an die Betreuung im Alter.
Die Arbeit geht uns also nicht aus. INFRI wird auch weiterhin die Rolle des Vermittlers und des Sprachrohrs der Institutionen wahrnehmen. Ich wünsche mir für die Zukunft von INFRI bzw. für die Mitgliederinstitutionen, dass der Kanton frühzeitig und längerfristig plant, die Institutionen dabei mit einbezieht und sie alle als wertvolle Partnerinnen anerkennt.
Meinen Kolleginnen und Kollegen vom Vorstand, der Sekretärin Nicole Brack und insbesondere dem Generalsekretär Olivier Spang, danke ich von Herzen für die jahrelange gute und konstruktive Zusammenarbeit und den spannenden Austausch, den wir im Vorstand von INFRI pflegten. Weiterhin viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft!
Ursula Schneider Schüttel
Präsidentin
Zusammensetzung des Vorstands 2025
Präsidentin
- Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin Stiftung Les Buissonnets
Vizepräsidentin
- Caroline Dénervaud, Präsidentin Institut St-Joseph du Guintzet
Mitglieder
- Emmanuelle Barboni, Direktorin Le Radeau
- Emmanuel Batoz, Direktor Flos Carmeli
- Jean Bourgknecht, Präsident Nid Clairval
- Laurence Brand, Präsidentin HorizonSud
- Claude Chassot, Direktor St-Camille
- Michelle Constantin, Direktorin Les Traversées
- Raphaël Glassey, Direktor Nid Clairval
- Peter Wuethrich, Mitglied Stiftung La Rosière und Stiftung Les Buissonnets
- Patrice Zurich, Präsident Clos Fleuri